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Oft wird argumentiert, dass Online-Tests im Rahmen eines eAssessment-Verfahrens problematisch sind, da nicht kontrolliert werden kann, ob der Kandidat den Test alleine bestreitet, eine andere Person den Test absolvieren lässt oder gar mehrere Personen den Test gemeinsam absolvieren. Auch werden im Internet kursierende Lösungslisten als mögliches Problem angeführt. Wie steht es tatsächlich um das Problem der Manipulierbarkeit bei Online-Assessments?

Sicherungsmaßnahmen innerhalb der Online-Tests

Zunächst einmal sind in den Online-Assessments seriöser Anbieter immer eine Reihe an Sicherungsmechanismen vorgesehen:

  • Registrierung: Wenn ein Kandidat entschließt sich bei einem Unternehmen ernsthaft zu bewerben, dann reicht er zunächst seine biografischen Daten (Lebenslauf etc.) ein. Nur die Kandidaten, bei denen hieraus eine entsprechende Ehrlichkeit und Attraktivität für das Unternehmen hervorgeht, werden überhaupt für die eTests freigegeben. Sich also einen Zugang einfach nur mal so zum ausprobieren oder zum Anfertigen von Screenshots o.ä. zu verschaffen, setzt schon einmal die Fähigkeit voraus, eine zwar falsche aber echt und attraktiv aussehende Bewerbung zu erfinden.
  • Nur einmalig verwendbarer Login-Code: Kandidaten, die die erste Sichtung ihrer Bewerberdaten erfolgreich überstehen und zu den eTests eingeladen werden, erhalten einen Zugangscode, der genau für eine einmalige Test-Durchführung gültig ist. Es ist fraglich und nach empirischen Untersuchungen von zu vernachlässigender Wahrscheinlichkeit, dass Bewerber diese eine Chance jemand anderem überlassen.
  • Einzelitem-Präsentation und Variation der Testanordnungen: Im Gegensatz zu Pen&Paper-Tests, die unter physischer Aufsicht durchgeführt werden, wird bei der Durchführung als eAssessment jedes Testitem einzeln und ohne Rücksprungmöglichkeit präsentiert. Es wird somit vermieden, dass sich etwaige Arbeitsgruppen einen Vorteil bei der Bearbeitung verschaffen können, in dem etwa mehrere Personen sich die Bearbeitung der verschiedenen Aufgaben einer Seite aufteilen und diese parallel lösen.
  • Permutierende Testinhalte: Um die Gefahr von Manipulationen zu minimieren, werden parallele Testversionen (z.B. durch Randomisierung der Itemreihenfolge, Randomisierung der Distraktorenreihenfolge, Farbgestaltung) entwickelt. Hat also ein Kandidat bspw. eine vermeintliche “Lösungsliste” für die Testinhalte, ist die Wahrscheinlichkeit enorm hoch, dass diese nicht zu den ihm gestellten Aufgaben passt.

 

Negativselektion statt Positivselektion

Neben diesen angeführten Sicherungsmechanismen innerhalb der Online-Tests gibt es etwas Grundsätzliches, was viel wichtiger bei der Beurteilung von Manipulationsgefahren ist – eAssessments sollen in erster Linie Nicht-Geeignete Kandidaten erkennen und aussortieren und nicht die Geeigneten identifizieren (Negativselektion statt Positivselektion). Nach bestehen des Online-Assessments (mit Manipulation oder ohne) ist der Bewerbungsprozess noch nicht abgeschlossen, nur eine weitere Phase beendet, denn eine endgültige Einstellung erfolgt erst nach weiteren Face-to-Face Verfahren, die nicht bzw. weniger der Gefahr einer Manipulation unterliegen.

CYQUEST hat im Zuge verschiedener Projekte diejenigen Kandidaten, die im Auswahlprozess bis zur letzten Stufe (also z.B. zum Präsenz-Assessment Center) gekommen sind, unter Aufsicht noch mal ähnliche Tests durchführen lassen, wie sie auch im eAssessment zu Beginn des Prozesses vorkamen. Eine signifikante Abweichung (quantifiziert über Äquidistanzmaße) wäre ein Indiz dafür gewesen, dass der Kandidat beim eAssessment geschummelt hätte. Die Ergebnisse waren sehr eindeutig: Der Anteil von Kandidaten mit derartigen Abweichungen lag etwa bei 1%. Allein die Möglichkeit zur Testwiederholung unter Präsenzbedingungen dürfte auf die meisten Kandidaten bereits eine hohe Abschreckungswirkung haben.

Schlussendlich gilt, dass es keine 100% Sicherheit dafür gibt, dass ein Kandidat im Verlauf eines Bewerbungsprozesses vollkommen ehrlich ist oder dass das was er sagt komplett der Wahrheit entspricht. Somit befinden sich die Online-Assessment-Verfahren in guter Gesellschaft, denn auch die anderen Bewerbungsphasen sind vor Manipulationen nicht sicher, sei es der Lebenslauf der verändert wird oder die im Interview geschilderten Erfahrungen und Werte, die ein Kandidat vermittelt.

Die theoretische Gefahr, dass man einen Kandidaten aufgrund eines manipulierten Online-Tests einstellt ist also kaum signifikant, da dem eAssessment weitere Auswahlschritte folgen. Hält man die Gefahr einer Manipulation den Vorteilen einer deutlich verbesserten Vorauswahl, der Reduzierung der Gefahr fälschlich abgelehnter Kandidaten (Fehler zweiter Art, “false negatives”) und den erheblichen Effizienzgewinnen durch eAssessments gegenüber, so überwiegen letztere unter kaufmännischen aber auch eignungsdiagnostischen Gesichtspunkten deutlich.

Viele namhafte Firmen setzen bereits seit Jahren erfolgreich auf Online-Test-Verfahren. Die empirischen Erfahrungen belegen die in der Praxis äußerst niedrigen Relevanz des „Manipulationsarguments“.